Bereits Mitte dieser Woche ist mir und meinem Team aufgefallen, dass einige regionale News Seiten in Großbritannien einen deutlichen PageRank Verlust hinnehmen mussten. Da es erst Anfang Februar ein PageRank Update gegeben hat, kam meiner Ansicht nach nur eine manuelle Abstrafung von Google in Frage. Schon in Vergangenheit hat Google eine Absenkung des PageRanks als Strafe für Seiten, die Links verkauft haben, angewendet.
Dass das die Geschichte ein größeres Ausmaß hat wurde mir gestern mit dieser Ankündigung von Google bewusst: “A reminder about selling links that pass PageRank“
Aha, eine kleine Erinnerung also… Darin heisst es:
Please be wary if someone approaches you and wants to pay you for links or “advertorial” pages on your site that pass PageRank. Selling links (or entire advertorial pages with embedded links) that pass PageRank violates our quality guidelines, and Google does take action on such violations. The consequences for a linkselling site start with losing trust in Google’s search results, as well as reduction of the site’s visible PageRank in the Google Toolbar. The consequences can also include lower rankings for that site in Google’s search results.
Auf gut Deutsch – Google geht ab sofort aktiv gegen sogenannte Advertorials, von den SEO-Agenturen dieses Planeten mit Vorliebe auch als “Trust-Links” bezeichnet, vor. Die genannten Konsequenzen sind Verlust von(Toolbar) PageRank und Trust, womit möglicherweise gemeint ist dass diese Quellen nicht mehr als glaubwürdige Linkgeber anerkannt werden. Weiterhin wird gesagt, dass dies auch unmittelbaren Einfluss auf die Anzeige der betroffenen Seiten in den Google Suchergebnissen haben kann.
Jetzt kommt aber erst der erschreckende Part: Das Ausmaß! Da ich Anfang Januar ca. 500 mittelgroße UK-News-Seiten (u.a. viele Webseiten von regionalen Zeitungen) auf SEO-Metriken analysiert hatte, hatte ich die ideale Datenbasis um den Umfang der Google Maßnahmen abzuschätzen. Hier ein Chart mit der Veränderungen zwischen 08.01. und 23.02:
Ich glaube das ist ein Chart, der nicht viel Erklärung braucht. Klarer wird es wenn man sich mal die Verteilung ansieht. Hatten bei der ersten Analyse noch 73% der Seiten (339 Seiten von 456) einen PR4 oder höher, so haben jetzt 81% (375 von 456) einen PR3 oder niedriger.
Diese Unterschiede sind nie und nimmer mit einem PageRank Update zu erklären. Das zeigt sich auch in der Höhe der Verluste. Insgesamt haben die Seiten im Durchschnitt 3,4 PageRank Punkte verloren. Der Verlust von einem oder zwei Punkten kann unter Umständen auch mit dem Wegfallen von starken Links oder der Veränderung der Seitenarchitektur erklärt werden, aber nicht das! Über 180 der hier untersuchten Seiten haben eine ein PageRank von 4 oder mehr verloren.
Auch “große” News-Seiten betroffen!
Das Google es durchaus ernst meint wird auch durch die Abstrafung von großen “Nationals” wie dem Independant und dem Scotsman. Der PageRank von independant.co.uk wurde von PR8 auf PR4 gesenkt. Der von scotsman.com von PR7 auf PR3. Auf beiden Seiten befinden sich vermutlich Avertorials mit DoFollow Links. Offensichtlich wurden bei dem Rundumschlag auch die Angebote ganzer Verlagsgruppen wie Johnston Press, Newston Media Group und Gannett abgestraft.
Advertorials?! Where’s the problem?
Jemand, der nicht tief in der SEO Materie ist, wird sich fragen wo das Problem daran liegt ein Advertorial auf einer Webseite mit aktiver Leserschaft zu schalten. Die Verlage und Werbetreibenden verhalten sich ja korrekt und kennzeichnen das Advertorial ja deutlich als solches… wenn auch manchmal mit etwas kreativem Jargon. Das ist auch in Printmedien seit Jahren ein bewährtes und beliebtes Format.
Das Problem daran liegt, dass die Schaltung solcher Advertorials insbesondere nach dem Google Penguin Update, massiv zugenommen hat. Dies liegt unter anderem an vielen Agenturen und Linkbrokern, die solche Links mit dem Killer Argument “Trust-Link” zu Höchstpreisen an ihre Kunden verkaufen. Ein gutes Geschäft für Verlage und Agenturen.
Diese Advertorials befinden sich meistens in gesonderten Sektionen auf der Webseite und bleiben dem regulären Leser in der Regel verborgen. Das Umfeld und die Artikel machen deutlich, dass viele Artikel lediglich dazu veröffentlicht werden um die Suchergebnisse zu beeinflussen. Das verstößt klar gegen die Google Webmaster Guidelines, der geheimen Verfassung des Internets. Wiederum wird es auch Fälle geben in denen diese Advertorials von PR-Abteilungen und -Agenturen ohne SEO-Hintergedanken platziert werden.
Was passiert jetzt?
Die betroffenen Seiten sollten laut der Ankündigungen nun Benachrichtigungen in ihren WMT bekommen und das Problem beheben um dann einen Reconsideration Request stellen.
We do take this issue very seriously, so we recommend you avoid selling (and buying) links that pass PageRank in order to prevent loss of trust, lower PageRank in the Google Toolbar, lower rankings, or in an extreme case, removal from Google’s search results.
In wie fern tatsächlich auch Seiten betroffen sind, die Links von diesen Seiten gekauft haben bleibt abzuwarten. Der Penalty gegen den UK-Blumenhändler Interflora, zu dem Google bisher keine Stellung beziehen wollte, könnte allerdings schon ein erster Vorbote für eine neue Welle von WMT-Benachrichtigungen sein.
Update: Mittlerweile gibt es eine Studie von Cemper, die nahe legt, dass beim Linkprofil von Interflora noch ein bisschen mehr im argen ist.
Update2 (25.02. – 08:30): Aus sicheren Quellen wurde ich darüber informiert, dass am Wochenende bereits einige Seiten, die solche Advertorials platziert hatten, eine WMT-Benachrichtigung bekommen haben. Dabei handelt es sich um die Warnung über den Fund von “unnatürlichen Links”. Üblicherweise haben diese Benachrichtigungen Rankingverluste zur Folge. Diese Warnung besagt allerdings, dass in diesem Fall Maßnahmen ergriffen werden, um explizit diese Links zu entwerten. Eine Entfernung der Links wird aber dennoch dringend empfohlen.
Man kann definitiv davon ausgehen, dass seitens der betroffenen Verlage (und das sind nicht wenige) ein Umdenken stattfinden wird. Viele Webseiten werden versuchen, das Problem zu lösen und die Sektionen/Artikel zu entfernen oder die Links, wie von Google gewünscht auf NoFollow zu stellen und somit zu entwerten. Man will ja sicherlich nicht auf wertvollen Google Traffic verzichten. Das kann wiederum zu Konflikten zwischen Agenturen und Kunden führen, da oftmals Garantien und Laufzeiten für solche Veröffentlichungen und Links vereinbart werden.
Auch Agenturen werden klar hinterfragen müssen ob sie ihren Kunden mit gutem Gewissen weiterhin solche Links verkaufen können. Es ist zu hoffen, dass Verlage (die sicherlich nicht auf Mehreinnahmen verzichten möchten) und SEOs enger zusammen arbeiten und gemeinsam Inhalte mit Mehrwert zu erschaffen. Für Leser und für Suchmaschinen. Diese Inhalte wären dann im strengen Sinne auch keine Advertorials und müssten nicht entsprechend gekennzeichnet werden.
Was ist mit Deutschland?
Wie es bei den meisten manuellen Maßnahmen (Artikelverzeichnisse, Blognetzwerke) in Vergangenheit meistens der Fall war, werden diese meist mit etwas Verzögerung auch in Deutschland angewendet. Diese Advertorials – auch gerne als “PR”, “Sonderveröffentlichung” oder “Webtipp” bezeichnet – sind auch hierzulande sehr beliebt. Da nicht wenige bekannte Portale solche Sektionen betreiben (gerne auch mal auf ganzen Subdomains) ist das Risiko, dass es auch hier einige erwischen wird denke ich sehr groß.
Die Frage ist viel mehr: Schaffen es Webseiten, die bisher auf solche SEO Taktiken gesetzt haben, rechtzeitig zu reagieren? Und werden diese Maßnahmen in Großbritannien tatsächlich als Warnsignal verstanden?
Was mich interessiert:
- Was sagt ihr dazu? Ist es mal wieder kurz vor zwölf, oder alles harmlos?
- Wurden ähnliche Beobachtungen gemacht ggf. schon in anderen Ländern?
- Gibt es schon Meldungen zu Abstrafungen von Seiten (inbesondere in UK)?
Noch was zum Nachdenken vom guten Aron Wall von seobook.com – Wie sehr hält sich Google denn an seine eigenen Guidelines?






Krasse Sache! Was aber echt interessant wäre: Wie sieht es mit den Rankings der Verlage aus? Und wie mit denen der Käufer?
Ich kann mir nicht vorstellen, dass Google diese Links negativ wertet. Und eigentlich kann ich mir auch nur schwer vorstellen, dass sie sie nicht werten. Dann würden ja nur noch Unis, staatliche Seiten und ggf. Wikipedia als generelle Authoritys übrig bleiben und viele sinnvolle Links würden entwertet => die SERPs negativ beeinflussen.
Naja, der deutliche Preisverfall der solche Angebote über Vermarkter bereits deutlich macht, zeigt ja, dass hierne Schlussverkaufsstimmung aufkommt.
Was Google allerdings dagegen haben könnte, würden wir in unserer örtlichen LVZ die ebenfalls solche Formate anbietet, ne Anzeigen “E-Commerce-Berater Leipzig” buchen, erschliesst sich mir nicht so ganz und lässt auf einen Mangel an Google-Intelligenz schliessen.
Spannend bleibt es auf alle Fälle. Da sind wir mal gespannt, wann dies nach D. rüberschwappt und wie es dann focus und co. geht!
Hut ab Raoul! Erstklassige Recherche und megaspannendes Thema.
In puncto Nachhaltigkeit stellt sich mir vor allem eine Frage: Wird Google einer einmal als eindeutig linkverkaufende und abgestrafte Seite jemals wieder vertrauen? Das Google evil ist, hat uns Google ja selbst des öfteren bewiesen. Wenn nun also eine abgestrafte Domain alle als advertorials markierten Links entfernt und anfängt diese Seiten besser zu tarnen, wer garantiert einem, dass Google nicht schon aufgrund der Häufigkeit und Wahl der Topics ganze Domains vorsorglich wieder in einen Filter laufen lässt.
Ich glaube nicht, dass es damit getan ist die Domain zu bereinigen, einen Recon zu stellen und dann “besser getarnt” genauso weiter zu machen.
Das musste ja irgendwann so kommen. Wer das nach Pnguin noch gemacht hat, sollte sich über die Konsequenzen nicht wundern.
@Robert: Die Frage ist ja erst mal: Gibt es eine echte Abstrafung. Mit weniger Pagerank haben wohl nur die wenigsten Probleme. Das kostet keinen Umsatz und keine PIs.
The same procedure as last year! Mal wieder eine neue Geschichte aus dem Buch “Google und das Bauernopfer”. Die ganze Sache ist sicherlich ein extremes Beispiel. Eine derart schlechte Qualität der Placements auf Tageszeitungen und Häufung von Footprints (http://www.kw.is/2g) habe ich hierzulande eigentlich noch nicht gesehen. Das einzige was sicherlich kritisch werden könnte, ist wie immer die Kombination aus einer ganzen Reihe von Faktoren (z.B. Anzahl der Placements und Anchortext/sponsored Post Ratio).
@Rolf: Ja, das ist soweit richtig gedacht, aber ich gehe einfach davon aus, dass es Rankingverluste geben wird. Alles andere wäre unlogisch. Das wäre sonst so, als wenn man einem Kind Hausarrest gibt und es dann trotzdem draußen spielen darf.
Der reine PR-Verlust wäre an sich nicht dramatisch. Spannend bleibt, ob sich die Beobachtung auch für die Keyword-Rankings fortsetzen. Den (vermeintlichen) SEO-Experten bleibt die Botschaft: Backlinks sind immer noch wichtig bis elementar. Daraus zu schließen, viele Backlinks = Erfolg ist leider ein fataler Trugschluss. Google sagt und dokumentiert das immer wieder. zum Glück gibt es ausreichend Alternativen, um das Ranking dennoch zu beeinflussen.
Ha Ha Ha… (Schadenfrohes und hämsiches Lachen) – Letzte Woche noch habe ich mit einer derartigen Online Zeitung über solch ein Advertorial verhandelt. Ich bin aus allen Wolken gefallen, als ich deren Forderung hörte. Viele dieser Online Magazine haben, so scheint es, ihre Mediadaten/-Preise an den Öl-Preis gekoppelt. Die Preise entwickeln sich immer nur in eine Richtung und zwar nach oben! Ich hoffe das diesen Medien das von Raoul Analysierte Ereignis einen kleinen dämpfer verpasst und diese wieder auf den Boden der Tatsachen geholt werden.
Danke für die Warnung! Das klingt ja durchaus erschreckend.
Sollte man jetzt seine Advertorials wieder abbauen oder wertet Google das als Schuldeingeständnis?
@Alle: Schön das hier so zahlreich kommentiert wird. Ich bin auch bei Robert und kann mir gut vorstellen, dass es bei den Newsseiten nicht beim PR Absturz allein bleibt. Aber ich glaube auch die Traffic Auswirkungen werden sich in Grenzen halten. Das war ein deutlicher Warnschuss und Goolge hat mal ein wenig seine Muskeln spielen lassen. Ich glaube aber auch dass die international nicht locker lassen und nach Penguin, der ganzen Disavow Debatte jetzt eben noch mit manuelle Nachjustierung dem letzen klar machen das Old-School Linkbuilding aus und vorbei ist… Letzendlich waren die meisten dieser Geschichten doch algorithmisch auch erkennbar. Jeder der mal eine Webseite gescrapet hat weiss, dass es nicht all zu lange dauert um eine Logik zu entwickeln die ein Advertorial zu 90% Wahrscheinlichkeit erkennt. Und: Wir sind nicht Google…
Ob das in Deutschland genau so offensichtlich ist wie in UK sei mal dahingestellt, aber ganz unwahrscheinlich ist es nicht.
@Mark: Das kommt auf den Einzelfall an. Wenn du Advertorials veröffentlicht hast die für einen Schülerpraktikanten schon nach SEO schreien, dann würde ich mir das ernsthaft überlegen, bevor du sie ohnehin wegmachen MUSST. Wenn es legitime Advertorials sind, die rein aus PR-/Marketingzwecken veröffentlicht wurden und das nicht übermäßig übertrieben wurde würde ich die Füsse still halten.
Hi Raoul,
im DE Markt hat es ja auch schon Sites “erwischt”, die über Advertorials Links generiert haben. Generell blieb es aber für die Sichtbarkeit neutral und es war eine Abwertung des angezeigten Pageranks (Toolbar Pagerank). Daher gehe ich davon aus, dass es sich hier um die gleiche Art der “Bestrafung” handelt.
Weiter ist damit zu rechnen, dass die ausgehenden Links der Advertorial Hosts mal eben entwertet werden, wenn die Betreiber nicht reagieren und die Links auf Nofollow setzen.
Hey, also zuerst mal “tolle Recherche”, finde ich echt gute Arbeit! Es zeigt sich immer mehr, das Google nicht nur die Qualität des Contents überwachen wird, sondern das auch Internet-Marketing im allgemeinen von Google analysiert wird.
@oguzhan: Die Erfahrungen kann ich teilen aber vielleicht sinken die Preise ja bald? …ich hab’ da so ein Gefühl *lach*
Ich habe mittlerweile mitbekommen, dass die meisten der betroffenen News-Seiten die Links entweder auf NoFollow gesetzt haben oder die entsprechenden Artikel entfernen. Ich werde in den nächsten Tagen nochmal eine Analyse machen und schauen in wie fern sich die betroffenen Seiten wieder erholen konnten.