Karl Kratz hat wieder zugeschlagen: er rechnet ab mit denen, die der Meinung sind es komme einzig und allein auf die keyword-density an. Sein Artikel ist zwar schon etwas älter, aber die Diskussion dauert an.

 

Karls WDF*IDF Theorie

Anlass zu seinem Artikel war sein Bedauern und seine Kritik daran, dass einige (viele) SEOs oft auf eine bestimmte Keyworddichte „schwören“. Diese Dichte schwankt zwar prozentual sehr stark in den Meinungen, aber ist dennoch gedanklich so in den Köpfen verankert, dass Artikel einzig und allein mit Augenmerk auf ein oder sehr wenige keywords geschrieben werden. Wie soll da noch ein lesenswerter Artikel entstehen?

Um zu beweisen, dass die keyword-density mathematisch betrachtet ein Wert ist, dem man keine Beachtung schenken müsste und sollte, hat er mit der Mathematikerin Jana Engelmann eine Berechnung durchgeführt. Diese zeigt am Ende, dass das Maß des Winkels zwischen den Vektoren nicht von ihrer Länge, sondern nur von ihrer Richtung abhängt.

Übertragen heißt das einfach nur: es kommt nicht darauf an, wie oft mein Term bzw. keyword in meinem Dokument vorkommt, sondern dass ich thematisch in einem Rahmen bleibe und viele verwandte Wörter benutze.

 

Was heißt denn jetzt eigentlich WDF*IDF?

Die Formel, die sich seiner Meinung nach viel besser eignet, um keywords zu beurteilen, bzw. das ganze Dokument hinsichtlich eines keywords zu bewerten, lautet WDF*IDF (beziehungsweise WDF*P*IDF, P bezeichnet dabei den Dämpfungsfaktor). WDF bedeutet dabei Within-Document-Frequency und beschreibt die dokumentspezifische Gewichtung eines Terms. Die Gewichtung ist dabei nicht qualitativ, sondern wie auch bei der keyword-density, quantitativ. IDF heißt Inverse-Document-Frequency und betrachtet die Gewichtung gegenüber allen anderen relevanten Dokumenten, die sich mit dem Term befassen. Was heißt, je mehr Dokumente mit diesem Term vorhanden sind, desto kleiner ist die IDF. Wie schon erwähnt, lässt sich somit ein Wert ermitteln, der anzeigt, wie wichtig das Haupt-keyword in dem eigenen Dokument erscheint. Auf Suchmaschinen bezogen: wie stark zeigt mein Dokument der Suchmaschine, was das wichtigste Wort, was also der Inhalt meines Dokuments ist?

Worauf Karl Kratz hinweist, und was man bei der Beurteilung seines Artikels auch nicht vergessen sollte: diese Formel berechnet oder bewertet natürlich nur einen einzigen Rankingfaktor. Die Formel ist lange nicht das wichtigste, was beim Texten beachtet werden sollte. Zudem ist es ja auch noch wichtig in welcher  Art und Weise und wo die keywords eingesetzt werden (und so weiter…).

Die Möglichkeiten sieht er darin, dass man anderen, „externen“ Textern durch die Analyse von Konkurrenzdokumenten besser Anweisungen geben kann, welche keywords oder Wortkombinationen beim Schreiben beachtet werden sollen. Man hat sozusagen eine Orientierung. Sein Fazit, wie schon öfter in seinen Artikeln zu lesen war: gute Inhalte für Besucher schreiben ist das A und O!

 Termgewichtung

(Image von https://www.online-marketing.net/img/termgewichtung-spam-wdf-idf.png)

Vorgenommen wurde hier eine Analyse des Suchbegriffs „Risikolebensversicherung“ der Top-10 Seiten. Die dargestellte Termgewichtung zeigt im Grunde an in welchem Rahmen der Term benutzt werden kann, ohne spammy zu wirken.

Eigentlich nicht viel Neues

Insgesamt finde ich die Theorie schon interessant, weil bei der Berechnungsmethode die Konkurrenz mit einbezogen wird. Man findet heraus, ob man ein Nischenkeyword bedienen möchte oder die Konkurrenz in dem Bereich nicht schläft.  Aber ob jetzt keyword-density irrelevant ist oder nicht, darüber kann man sich meiner Meinung nach weiterhin streiten. In seiner Rechnung wird diese schließlich auch mit beachtet.

Also mein Fazit: Karls Formel ist ein Hype, aber das sollte nicht überbewertet werden.

Außerdem sagt sie das aus, was jeder einigermaßen motivierte, SEO-bedachte  und erfahrene Texter (wenn man es nicht ist: üben, üben, üben…) eh schon wissen sollte: erstelle Content, der thematisch einen roten Faden hat, abwechslungsreich und interessant geschrieben ist und damit auch nicht nur dem Crawler „schmeckt“, sondern  vor allem einem Menschen!

Was sagen die Experten in der SEO Welt dazu?

Bei seo-united.de äußern sich regelmäßig SEO Experten zu Themen, die aktuell unter SEOs zu Diskussionen führen. Ihre Meinungen zum Thema WDF*IDF habe ich hier kurz zusammengefasst:

Für Dominik Wojcik von trustagents.de und Astrid Jacobi von staats-consult.de ist das im Grunde ein altes Thema und wird eh umgesetzt, auch wenn es nicht mit Formeln berechnet wurde. Zudem sieht Dominik noch Schwachstellen in der Formel. Nicolas Sacotte von activetraffic.de achtet ebenfalls nicht darauf, weil er automatisch im Themenkomplex bleibt und sich bei der Wortwahl Mühe gibt. Für ihn ist das im Grunde ein Hype, es wird über etwas lückenlos diskutiert, was eh schon immer gilt. Außerdem kommt es für ihn im letzten Schritt, also bei den letzten Rankingplätzen nicht auf keywords an, sondern auf Linkbuilding.

Eine ganz andere Meinung kommt von Marcell Saközy von seodeluxe.de, der schlicht sagt, dass WDF*IDF(/WDF*P*IDF) ein so geringer Rankingfakor ist, dass man sich zwar die Mühe machen kann, nach der Formel zu optimieren, aber auskommen kann man auch sehr gut ohne.

Chancen für die Texter sehen Nicole Mank von she-seo.de und Irina Hey von onpage.org wenn es darum geht, sich etwas veranschaulichen zu wollen. Inhaltliche Lücken können gefunden und nachträglich behoben werden. Für Nicole ist es aber ebenso wichtig, dem Besucher etwas für die Augen zu bieten und die Informationen zu visualisieren. Für die Zukunft stellt sie sich die Frage, ob Google etwas gegen diesen Hype unternehmen will, um Manipulation abzuschwächen und Irina ist der Meinung, dass diese Berechnungen eh schon bei Google berücksichtigt werden.

Malte Landwehr von lorm.de spricht am Positivsten von der Formel und sagt, dass er schon Jahre danach praktiziert, es für ihn also kein neues Thema ist und dass er auch anderen erzählt, keyword-density allein sei völliger Schwachsinn. Jedoch sieht er ein Problem darin, dass dieser Stein, der jetzt ins Rollen gekommen ist bald auch in den USA ankommt und Google dann massive Maßnahmen einleiten wird. Bis es aber so weit ist, hält er es für sinnvoll sich ein Tool zu holen, welches WDF*IDF berechnet.

 

Für die ganze faulen Leser, die nur das Fazit wissen wollen:

Viele Meinungen, die eigentlich zusammengefasst aussagen: altes Thema, nicht zu vergessen, aber auch nicht über zu bewerten! Was heißt, bei geringem Budget muss ein Tool nicht unbedingt sein, wenn man sich im Vorfeld richtig Gedanken macht und diese dann beim Schreiben konsequent umsetzt! Um in dem Sinne auch die Ausgangsfrage zu beantworten: man verbaut sich immer den Blick aufs Wesentliche, wenn man sich auf eine einzige Theorie versteift und nur allein auf Keyworddichte WDF*IDF oder sonst was setzt.